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Wie werde ich Selbstversorger in kleinen Schritten

Beim Imker Franz & den Bienen

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Wenn man täglich viel zu viel Schokolade isst und den Traum vom Selbstversorger-Dasein hegt, stellt sich unweigerlich eine unbequeme Frage: Was tun, wenn kein Kakaobaum im eigenen Garten wächst? Lust auf eine Unmenge von Beeren habe ich leider nicht. Bleibt nur ein Fluchtweg für Selbstversorger-Süßigkeiten: Der Honig. Ich stelle mir schon mal vor: Mandel-Honig-Riegel. Mist, Mandeln habe ich ja wieder nicht im Garten. Dann eben Honigplätzchen mit irgendwelchen Nüssen. Naja, Nüsse fehlen mir auch noch. Aber, so komme ich ja nicht weiter. Fange ich eben mit Honig alleine an. Wie bekommt man den und wie geht das mit den Bienen?

Patrick und ich sind auf dem Weg zum Imker unseres Vertrauens – auf einem langen, kurvenreichen Weg durch die Bayerische Pampa. Unser kleiner Hund (wir haben auch noch einen Großen) quittiert die gefahrenen Schlenker nach einer Weile mit einem Gesicht, das wir so noch nie gesehen haben. Es ist ein seltsam verzerrtes Lächeln, in Kombination mit aufgeblasenen Backen. Zu spät verstehen wir, dass die Gesichtsfarbe nun grün wäre, hätte er kein Fell… Gott sei Dank sind wir gleich da.

In Obereulenbach steht am Ortsrand das kleine Häuschen von Franz Brandl, der nicht nur Imker und Gärtnermeister ist, sondern auch weitestgehend Selbstversorger. Fünf Bienenvölker leben in seinem Garten.

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Franz ist ein konventioneller Imker. Das bedeutet, er hält seine Bienen im allgemein üblichen „Kasten“, der sogenannten  Magazinbeute – also einem Bienenstock mit Boden, Zargen (Holzrahmen mit Waben) und Deckel. Es gibt auch andere Arten der Bienenhaltung von der Bienenkiste über den Strohkorb bis zur Bienenkugel. Was davon nun naturnah und wesensecht ist, davon möchten wir uns nach und nach selbst ein Bild machen, also nicht nur darüber lesen, sondern selbst anschauen und erfahren. Wir fangen mit der konventionellen Imkerei an. Franz zündet den Smoker an, der die Bienen mit Lavendelrauch beruhigen soll und wir stülpen uns die Imkerjacke mit Gesichtsnetz über.

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Das Gefühl hinter solch einem Gesichtsnetz ist, nunja, ein wenig knastig und beengend. Zum gemütlichen Fernsehabend oder dann später mal auf dem eigenen Hof zum Geschichtenerzählen am Lagerfeuer taugt es jedenfalls nicht. Soll es ja auch nicht. Sicherer ist es jedenfalls und wir fühlen uns gut gewappnet für den Erstkontakt mit dem fremden Schwarmflugstechtier.

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Franz befreit die Zargen (Holzrahmen mit Waben) vom Propolis, dem Kittharz, das die Bienen zum Abdichten ihres Heims benutzen und so auch gegen Krankheitserreger von außen immun machen. Jetzt kann er die Zargen herausnehmen und nachschauen, ob es den Bienen gut geht, ob sie genug zu fressen haben und gesund sind. Der große Moment für mich naht und ich darf eine Zarge selbst in die Hände nehmen, hochheben und meine benetzte Nase in die Bienen stecken. Ich sehe eine Traube von Bienen auf ihren Honigwaben sitzen, herumwuseln und summen. Franz erklärt Allerlei, von dem ich gar nichts mitbekomme. So fasziniert bin ich von diesen Wesen. Ich rieche Wachs und Honig, lege meine gummibehandschuhte Hand auf die Bienenrücken und spüre ihr Treiben. Es ist ein Unterschied, irgenwo eine fremde Biene fliegen zu sehen, oder den Bienen als Gast in ihrem Zuhause nahe zu kommen. Ich kann nicht anders, ich liebe diese Bienen.

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Franz füttert seine Bienenvölker mit Eimern von Zuckersirup. Es war kein gutes Jahr für die Bienen, die es schon schwer genug haben. Die Varroamilbe macht ihnen zu schaffen, die Bauern mähen alle Wiesenflächen für Viehfutter, das Wetter war zu trocken und der Pflanzennektar dadurch gering. Wir wissen zu wenig, manches ist auch kompliziert. Nur ganz naiv sind wir auch wieder nicht. Klar verdient jemand an den vielen Mittelchen zur Bekämpfung der Varroamilbe und verfolgt seine Interessen, genauso wie die meisten Bauern ihre Interessen verfolgen. Anscheinend schätzen nur wenige Menschen die Bienen so, wie sie es verdienen und lassen ein Stück Wiese für sie stehen oder pflanzen Bienenblumen in ihrem Garten.

Franz zeigt uns noch die mechanische Honigschleuder, in die die Holzrahmen mit den Waben eingespannt und durch drehen mit der Hand vom Honig befreit werden. Fünf Minuten in die eine Richtung, fünf Minuten in die andere Richtung drehen – ganz schön anstrengend.

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Wir sammeln das heute erbeutete Propolis ein, das wir gut für selbstgemachte Zahn- und Gesichtscreme verwenden können – sobald wir uns schlau gemacht haben, wie man eigentlich das Propolis reinigt und eine Tinktur herstellt.

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Schönes Wachs und leckeren Honig kaufen wir Franz noch ab und freuen uns auf die vereinbarte Bienenpatenschaft im nächsten Jahr. Wir legen uns ein Volk Bienen zu, dürfen es bei Franz in einem seiner Bienenstöcke unterstellen und er erklärt und zeigt uns ein Jahr lang, wie wir die Bienen gut pflegen und den ersten eigenen Honig gewinnen. Wir freuen uns sehr darauf! Danke an Franz & Freundin Eva & Hund Keks, und danke an die Bienen, für einen schönen Tag ganz ohne Stiche.

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3 Kommentare zu “Beim Imker Franz & den Bienen

  1. Pingback: Propolis-Tinktur, Heil- & Shampoo-Öle | traum selbstversorger

  2. Liebe Kirstin! Danke für den tollen Beitrag 🙂 Mein Herz ziehts auch zu diesen Stechgetier und ich bitte dich, unbedingt weiter zu schreiben über eure Erfahrungen! Ganz liebe Grüße aus Österreich!

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