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Wie werde ich Selbstversorger in kleinen Schritten

Dörrhaus (Teil 3): Das Kartoffelende

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Es gibt Dinge, an die wir im Traum (vom Selbstversorger-Sein) nicht gedacht haben. An ein Dörrhaus zum Beispiel, das mal gar nicht so einfach zu bauen ist, wie das Internet behauptet (man denke an Teil 1). Oder an ein Dörrhaus, das zum „Dörrsarg“ mutiert (man denke an Teil 2), für den eigentlich gar kein Platz zum Hinstellen existiert, was wir leider vorher nicht bedacht hatten, dass das Ding ja irgendwo stehen bleiben muss. Oder an ein Dörrhaus, das gar keines ist, sondern eine ganz andere Bestimmung in seinem noch jungen, von einigen Höhen und noch mehr Tiefen geprägtem Leben findet. Aber der Reihe nach…

Ein Dörrhaus, das zum luftigen Trocknen von allerlei Gartenernte gedacht ist, braucht in unserem Teil der Erde ein wenig Hilfe, um trotz der weniger üppig scheinenden Sonne zum gewünschten, durchgedörrten Ziel zu kommen. Diese Hilfe heißt Solaranlage, also eine Holzkiste mit Schafwolle zur Isolierung, mit schwarzen Dosen zum Speichern der Sonnenwärme, einem Fenster zum Hereinlassen der Sonnenwärme und einem Luftzug zur Transformation kalter Draussenluft in heiße Solaranlagen-Innenluft und schließlich in Dörrgebrauchsluft.

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Die Solaranlage wird an das Dörrhaus angedockt, damit die Luft von draussen in die Solaranlage und von dort ins Dörrhaus gelangen kann, oder anders ausgedrückt: Der Solarsarg muss im Dörrsarg stecken, damit es funktioniert. Soweit kam es bei uns leider nicht, aber der Reihe nach….

Erstmal ist so ein ganzes, rein natürliches Schaffell gar nicht leicht zu bekommen. Wenn man dann eines hat (es muss sich in der Dorf-Nachbarschaft rumsprechen und irgenwann passiert es dann), muss man es natürlich waschen. Also in der Regentonne einweichen, mit brauner Stinksoße danach die Blumen gießen. Aus Sorge, Dörrobst mit Schafgeruch zu produzieren, steckten wir es dann doch in die Waschmaschine und ernteten trotz Wollwaschgang einen Filzlappen. Der hing dann zum Trocknen auf der Terrasse – und das dauerte.

Währenddessen hatten wir genug Zeit, die Dosen zu besorgen. Auch das ist nicht ohne. Dosen muss man selbst in leerem Zustand kaufen, weil da Pfand drauf ist. Dann passten diese Dosen nicht und wir schwenkten auf Hundefutter-Dosen um. Nun mussten wir wieder warten, da die Hunde der Verwandschaft erstmal 40 Doseninhalte verputzen müssen.

In der Zwischenzeit haben wir gehört, dass es eigentlich am Besten wäre, unter dem Dörrhaus auch ein Feuer machen zu können, falls das mit der Sonne und der Solaranlage aufgrund eines andauernden Tiefdruckgebiets nicht gut ausgeht. Aha. Tja, da ist jetzt nichts mehr zu machen. Insbesondere, da die (zugegeben zu langen und dünnen) Standbeine des Dörrhauses ihrem charmanten Knick nachgegeben haben und eingebrochen sind.

Am längsten aufgehalten hat uns die knifflige Frage, wie, bitteschön, stopfen wir den Spalt zwischen Solaranlage und darauf zu befestigendem Fenster. Passgenauigkeit beim Rahmenbau war nicht unsere Stärke. Bauschaum, PU-Schaum, Irgendwas-Schaum – alles giftig. Macht irgendwie keinen Sinn beim Bio-Gemüse-Dörren, oder? Glas- und Steinwolle fusselt sehr fein und wer weiß, vielleicht ist mit haarfeinen Glasfasern gespicktes Bio-Dörr-Obst schädlich für den Zahnschmelz? Wir waren gerade bei folgender Lösung angelangt: Scheißdrauf, wir stopfen alte T-Shirts rein und hauen Klebeband drumrum… Als die Kartoffelernte kam.

Kartoffeln sollen bei trockenem Wetter aus der relativ trockenen Erde geholt werden und dann an der Sonne trocknen. Wir hatten aber lange nasses Wetter, nasse Erde und wenn überhaupt Sonne, dann auch die irgendwie nass. Schnell raus mit den Kartoffeln, bevor sie zu verfaulen beginnen. Und dann? Wohin blos mit denen? Selbstversorgerpflichtgemäß haben wir nämlich eine ganze Menge Kartoffeln (alle im Wohnzimmer getrocknet!).

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Unser Vermieter bietet uns netterweise eine Ecke im alten Stall neben unserem Häuschen an und er warnt dabei: Es gibt da Mäuse und Marder! Wäre doch gelacht, wenn wir da selbstversorgerprofivorausschauend nicht schon vor drei Monaten dran gedacht hätten und, schwupps, ein Kartoffelhaus aus dem Ärmel schütteln könnten – mit garantiert abgedichteten Ritzen, marderzahnsicherer Tür und ein paar aluvergitterten Luftlöchern. Törö! Das Dörrhaus, geschaffen für das Bad in der Sonne, kurzzeitig wegen optischer Ähnlichkeit und nervlicher Belastung „Dörrsarg“ genannt, hat endlich seine wahre Bestimmung in der Dunkelheit eines muffigen Stalls gefunden. Wenn wir da mal nicht die schlausten Selbstversorger-Anfänger aller Zeiten sind.

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Die Frage, wozu wir jetzt eine halbfertige Solaranlage haben, verdrängen wir bisher ganz fantastisch und glauben fest an eine neue Bestimmung, die sich uns irgendwann opffenbaren wird. Bis dahin halten wir es wie die alten Hasen des Selbermachens: Nur nichts wegschmeissen. Im Stillen schielen wir auf die Türbeschläge, die Schrauben, den Ofenkitt zum Abdichten und all die anderen Materialien. Nein, wir möchten gar nicht wissen, ob wir für das Geld auch einfach ein Garten-Gerätehäuschen als Kartoffelhaus hätten kaufen können. Und wenn schon! Dann hätten wir nur ein gekauftes Kartoffelhaus. So aber haben wir zusätzlich zum selbstgemachten Kartoffelhaus noch nette Menschen kennengelernt, schöne Erfahrungen gemacht, echte Verzweiflung gespürt, Stolz empfunden, bohren und sägen geübt, von der Existenz eines Winkelmessers (merke: im Lot bauen) erfahren und ein kleines Selbstversorger-Abenteuer erlebt.

Ja, wir haben uns einige Zeit später einen Dörrautomat gekauft und hier darüber geschrieben in „Dörren für Dussel“.

2 Kommentare zu “Dörrhaus (Teil 3): Das Kartoffelende

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