traum selbstversorger

Wie werde ich Selbstversorger in kleinen Schritten

Recycling-Gartenvorbereitungen auf kalifornisch

Ein Kommentar

John begrüßt mich in Kalifornien mit einem „Willkommen im Paradies für Gärtner“. Der „Dirtman“, wie er im Ort genannt wird, bringt mir den Kompost und nebenbei den ersten großen Lacher des Tages. Paradies? Ha! So habe ich das bisher nicht gesehen. Mein Gärtnerherz war eher eingeschüchtert, nachdem ich bei Lisa eingeladen war und ihr „Gartengefängnis“ bewundert habe. Als Vorsitzende des South Valley Fleurs Garden Club weiß sie schließlich, was sie tut.

Gartengefaengnis

Die kalifornischen Gärtner haben neben der Wasserknappheit ein paar „Feinde“, gegen die eine deutsche Schneckenplage alt aussieht.

  • Da wäre das kalifornische Ziesel – ein Erdhörnchen, das wie eine goldige Mischung aus Eichhörnchen und Ratte anmutet. Das Ziesel mag Samen, Wurzeln und Knollen. Es greift von unten durch die Erde an.
  • Daneben gibt es diverse Vögel, die von oben durch die Luft ihre Attacken fahren und keinen Obstbaum verschonen.
  • Außerdem finden hungrige Hirsche in den Garten, für die ein Zaun geradezu aufmunternde Wirkung besitzt, wie für uns Mädchen früher das Hüpfseil.

Das bedeutet:

  1. Aus der Traum vom direkt in die Erde einsäen – her mit den Erdhörnchen-sicheren Kübeln und Hochbeeten.
  2. Weg ist die Romantik des Holz-Niedrigzaun-Gärtnerns – her mit dem hohen Drahtgeflecht (falls das hilft).
  3. Vorbei ist das Pfeifduett mit den gefiederten Freunden – her mit der Vogelscheuche (die mir sympathischer ist, als ein Maschendrahtdach).

Unser erstes kalifornisches Gartenjahr beginnt also mit diversen Pflanzenkübel-Beschaffungs-Maßnahmen und mit dem Bearbeiten der Erde.

Zunächst muss das Unkraut weg und zwar so, dass es nicht wieder kommt. Da wir keine Lust haben, alles per Hand auszurupfen, suchen wir im Internet nach „Unkraut entfernen Maschine“ und ähnliches, landen beim holländischen „Graszodensteker“ und lernen, das ist ein „Grassodenstecher“ und heißt in Englisch „Sod Cutter“. Den gibt es zum Ausleihen. Los geht es.

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Der Grassodenschneider dient eigentlich zur Herstellung von Rollrasen, aber erfüllt auch für uns seinen Zweck, indem er die oberen Zentimeter des Bodens abtrennt und hoffentlich auch die meisten Unkrautwurzeln erwischt. Leider müssen wir das Ergebnis wegrächen, haben Muskelkater vom Rumschieben des schweren Geräts und sind froh, dass uns diverse, im Boden versteckte, Eisen- und Drahtreste nicht ins Auge fliegen.

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Ja, es ist kontraproduktiv das Obere des Bodens, wo die meisten Mikroorganismen sitzen, fast zu entfernen. Nur wollen wir dieses Jahr gerne etwas anbauen und haben keine Geduld für andere Methoden, wie Abtöten des Unkrauts durch Abdeckung mit Karton o.ä.

Auch unsere nächste Maßnahme kann in biologischen Kreisen als Sünde angesehen werden. Die Bodenfräse (lerne: engl. „Rototiller“) kommt zum Einsatz. Der Boden ist einfach zu hart für den Spaten und wir brauchen noch einige Pflanzkübel, die mit Erde befüllt werden müssen.

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Wo bekommen wir jetzt Pflanzkübel her?

Natürlich könnten wir Hochbeete selbst bauen, inklusive Erdhörnchen-sicherem Boden aus engem Maschendraht. Aber das kostet ein kleines Vermögen an Holz- und Drahtmaterial, Zeit und Nerven. In der Größe, die uns für den Gemüsegarten vorschwebt, ist das nicht zu stemmen. Also bleibt nur Recycling-Gärtnern, sprich Gärtnern mit bezahlbarem beinahe Müll. Im South Bay Internet-Flohmarkt Craigslist finden wir allerlei Brauchbares: Halbe Plastiktonnen, alte Holzkübel, verrostete Tränken, eine Badewanne – und zwei sehr, sehr schwere Bombenhüllen aus dem zweiten Weltkrieg.

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Schön kann man unseren Gemüsegarten noch nicht nennen. Da müssen wir erst noch einiges an Schaufelarbeit leisten. Die Kübel füllen wir halb mit Erde von unserem Grundstück, dann werden die Kübel etwas eingegraben. So isoliert die Erde um sie herum die Pflanzen im Inneren, falls die kalifornische Sonne zu sehr sticht. Kleine Wege heben wir aus, manchmal einen großen Weg für den Schubkarren.

John der „Dirtman“ kommt und liefert den Kompost. Nicht irgendeinen Kompost, sondern den Besten in ganz Kalifornien, schwört er bei seiner „Dirtman“-Ehre. Das Geheimnis? Es ist der Nährboden einer Pilzfarm gewesen und angereichert mit allem, was das Gemüse liebt. Wir füllen die Kübel auf und mischen den Kompost mit der Erde.

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Die Erde-Kompost-Mischung muss mindestens eine Woche ruhen, damit die Mikroorganismen ihre Arbeit tun können. Währenddessen wachsen schon die zukünftigen Bewohner heran und die Gartenzwerge sind eingetroffen.

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Gerade will ich mich ausruhen, blicke etwas frustriert auf die noch immer viel zu wenigen Kübel, in die meine großen Pläne nicht reinpassen und stelle mir das nicht enden wollende Auf- und Ab meiner Schaufel in den nächsten Wochen vor. Plötzlich kommt frischer Wind ins Gemüsebeet.

Wild-West-Gärtnern, denke ich, als ich das sehe. Besuch!

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Kann ja mal passieren, in Kalifornien.

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