traum selbstversorger

Wie werde ich Selbstversorger in kleinen Schritten

Darf ich vorstellen: Die Gemüseglosche

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Wenn man morgens in den Garten geht und der Salat plötzlich kahl ist, dann war Nachts hungriger Besuch da. Aber wer? Unser Zaun ist für Rehe zu hoch, doch der Maschendraht lässt genug Platz zum Durchschlüpfen für kleinere Vierbeiner, wie Eichhörnchen und Erdhörnchen. Willens, auch ungebetene Gartengefährten durchzufüttern schauen wir dem wachsen und schrumpfen der Salatköpfe eine Weile zu und wundern uns, warum dem Neuseeländer-Spinat nebenan kein Haar gekrümmt wird. Irgendwann hätten wir auch gerne einmal ein frisches Salatblatt aus dem eigenen Garten zwischen den Zähnen. Was tun, ohne schwere Fallengeschütze aufzufahren? Wir brauchen ein „Erdhörnchen müssen leider draussen bleiben“-Schild, das Erdhörnchen auch verstehen. Wie wäre es mit einer Servierglocke (Käseglocke oder „Glosche“, franz. „Cloche“ für „Glocke“) für den Salat? Wir taufen das Ding „Gemüseglosche“ und fangen an zu bauen.

Wir nehmen:

  • Holz für den Rahmen
  • Rostsichere Nägel
  • Vier Scharniere für zwei aufklappbare Türchen
  • Eine riesige Rolle Vogel-Abwehr-Netz (wer weiß, was noch kommt)
  • …und, ach ja, natürlich einen Tacker, eine elektrische Mini-Säge, ein Schleifgerät und den Akkubohrer

Im Baumarkt schenkt uns Jose, der Fachberater, einen Vorbohrer-Aufsatz, damit das Holz beim Löcher bohren nicht splittert. Echt geschenkt. Danke, Jose, Du hast uns vor dem schlimmsten Frust bewahrt.

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Da mir (Kirsten) das Ausmessen nicht sonderlich liegt, trage ich die Holzstangen immer wieder vom Arbeitsplatz im Schatten zum zukünftigen Schauplatz der Gemüseglosche in der Sonne, um Augen- und Handmaß zu nehmen. Die Gemüseglosche soll auf einem unserer zwei durchgerosteten Bombentrichter aus dem zweiten Weltkrieg Platz nehmen, die wir vor einiger Zeit nur mit viel Mühe und Bagger-Muskel-Hilfe in unseren Garten setzen konnten.

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Der erste Bombentrichter ist bereits Schauplatz des vor sich hin dörrenden Erbsenleides und des zu spät kommenden Rettungsversuchs mit Sonnen- (bzw. Schatten-) Segel.

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Der zweite Bombentrichter soll es nun mit der Gemüseglosche in die Riege der Gourmet-Recycling-Hochbeete schaffen. Dazu bekommt er an der einen Längsseite zwei aufklappbare Türchen, durch die man Kopf und Hände für die Beetarbeit stecken kann. Wer will sich schon das Kreuz verrenken und die ganze Gemüseglosche entfernen, wenn man nur ein kleines Salätchen ernten oder Unkraut rupfen möchte.

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An meiner Art, etwas selbst zu bauen, erkennt man unschwer, dass ich kein Profi bin:

  1. Die Rahmen der zwei Längsseiten zusammenzimmern
  2. Eine Längsseite mit dem Netz bespannen
  3. An der anderen Längsseite die beiden Klappen ausmessen
  4. Die Klappen zusammenzimmern
  5. Die vier Scharniere für die beiden Klappen montieren und Klappen befestigen
  6. Beide Längsseiten in Form eines Dreiecks aneinander legen
  7. Mit einem Stück Holz in der richtigen Breite für den Bombentrichter stabilisieren
  8. Merke: Kenne Dich selbst und kaufe mehr Material als nötig
  9. Bessere mit den Resten hier und da noch aus, bis nichts mehr wackelt
  10. Tackere das Netz an die Innenseiten der Klappen und die anderen freien Stellen.

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Der große Moment ist gekommen. Ich schleppe die Gemüseglosche zu ihrem Sonnenplatz im Garten und platziere sie auf dem Bombentrichter. Etwas hin und her rucken, dann passt es. Es geht doch nichts über das Ausmessen ohne Metermaß. Klappentestlauf. Wunderbar. Die Hexen- und Hühnerhaus-Optik ist auch nicht zu verachten.

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Wie lebt es sich so, als Gemüse in einer Gemüseglosche? Sonnig, luftig und trotzdem beschützt, fast heimelig, vermute ich mal. Das bringt mich auf die Idee mit dem ziemlich großen Rest des Vogel-Abwehr-Netzes und weiteren Überbleibseln, die bei uns noch rumliegen, weiter in der Gemüsegloschen-Welt zu experimentieren.

Darf ich vorstellen: Die „Schnellglosche“ mit biegsamen Plastikstangen und netzbeschwerenden Steinen für den ungeduldigen Gartler …

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…und die „Interim-Glosche“ aus Resten von Hühnerdraht für die Liebhaber des provisorischen Gärtnerns:

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So, Salat und Gemüse sind vorerst sicher „eingegloscht“ und hungrige Gartengefährten haben das Nachsehen. Obwohl, nicht alle.

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Ich freue mich über das Summen der Hummeln und Bienen an Borretsch, Ringelblumen und Sonnenblumen. Ein Kolibri fliegt am Zaun entlang und steckt seinen Schnabel in eine rote Blume, deren Namen ich vergessen habe, da das Schild nach dem Aussähen in der Sonne verblasst ist.

Als Gemüsegloschen-Ausgleich lege ich einige Kohlrabi-Blätter an den Zaun, aber die Erdhörnchen nehme diese fadenscheinige Entschuldigung nicht an. Gut, dann gibt es eben für die Gourmet-Hörnchen das nächste Mal ein paar Salatblätter aus der Gourmet-Glosche.

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