traum selbstversorger

Wie werde ich Selbstversorger in kleinen Schritten

Auf den Spuren von Feen und Heilpflanzen in San Francisco

2 Kommentare

Als ich mit gezücktem Notizbuch im Glen Canyon Park im Stadtteil Diamond Heights ankomme, ahne ich noch nichts von den Feen, die hier wohnen und dem Gold, das sie mir schenken werden. Ich bin auf sehr viel Kopf- und ein wenig Sinnesarbeit eingestellt. Tonnen von Informationen über Pflanzen will ich behalten, oder zumindest mitschreiben. Blätter will ich ertasten und schmecken. Lernen will ich, auf dieser Kräuterwanderung durch 28 Hektar Großstadt-Parkwildnis mit Eulen, Falken, Stinktieren und, so sagt man, sogar Coyoten. Meine Studienkolleginnen vom Ohlone Herbal Center sind schon da und unsere heutige Lehrerin, Krista Herbe, erweckt unbestimmbare Stängel und verwelkte Blätter mit ihren Erklärungen zum Leben. Aus braunem Allerlei-Salat, den wir links hätten liegen lassen, wird plötzlich eine beachtenswerte Heilpflanze, die wir minutenlang betrachten.

Wir schlendern durch ein kleines Eukalyptus-Wäldchen, schnüffeln an den aromatischen Blättern und staunen über die Samen, mit denen unser Trampfelpfad gepflastert zu sein scheint.

Als nächstes begegnen wir der Säckelblume (lat. Ceanothus americanus, engl. Red root), deren rote Wurzel die roten Blutkörperchen und das Lymphsystem auf Trapp bringen. Die Blätter kann man als Tee trinken, daher heißt die Pflanze manchmal auch „New Jersey Tea“. Leider sieht man die Blüten gerade nicht. Sie enthalten Saponine, schäumen mit ein wenig Wasser und taugen zum Händewaschen in der Wildnis.

Am Rande eines ausgetrockneten Bachbetts wächst die Weide (lat. Salix sp., engl. Willow). Ihre Rinde enthält den Stoff Salicin, den natürlichen Verwandten der chemischen Acetylsalicylsäure. Die Weidenrinde hat also ähnliche Eigenschaften wie Aspirin, ist entzündungshemmend und schmerzstillend. Man kann auch die Blätter kauen und zur besseren Heilung auf eine Wunde legen. Das wollen wir mal üben, aber der erste Biss ist schon so bitter, da warten wir lieber auf den echten Notfall.

Spaziergänger und Kinder, Jogger und Hunde ziehen an uns vorüber. Die rießige Stadt und ihr Tumult liegen hinter ein paar Zweigen versteckt. Trotzdem kommt mir dieser Ort ein wenig verwunschen vor. Liegt das an den knochigen Baumstämmen, die den modernen Zeiten Grimassen ziehen? Noch einen Schritt weiter und mir wird klar, hier gibt es auch noch andere, alte, zeitlose Wesen – und Menschen, die ihnen aus glitzerndem Spielzeug einen Altar bauen. Hallo, seid ihr da, liebe Feen? Nein? Ich glaube, sie haben Mittagspause.

Der Kalifornische Mohn (lat. Eschscholzia californica, engl. Californian Poppy), die offizielle Blume des Staates Kalifornien, steht am Wegesrand. Da sie gerade nicht blüht habe ich ein Bild aus dem Frühjahr eingeschummelt. Das orangene Blümchen ist ein nervenstärkendes Mittel, das in hoher Dosierung sediert. Sie ist entzündungshemmend und krampflösend. Die Blütenessenz hilft Menschen, die am „Schein“ hängen und ihr „Sein“ dadurch vergessen.

Das Becherkätzchen (lat. Garrya sp., engl. Silk Tassel) zeigt sich recht unscheinbar so spät im Jahr. Die Blätter und Blüten sind krampflösend und unterstützen des Parasympathische Nervensystem, das für den Aufbau körpereigener Reserven und die Erholung zuständig ist.

Der Küstenmammutbaum (lat. Sequoia sempervirens, engl. California Redwood) stimuliert das Immunsystem bei Erkältung und Grippe. Die frischen Triebe sind reich an Vitamin C und gelten als Hustenlöser.

Unter den Redwoods liegt ein umgstürzter Eukalyptus-Baumstumpf. Von der Seite sieht er ganz normal aus. Fast wäre ich vorbei gelaufen. Duftet es nach Mittagessen? Aha, jetzt verstehe ich. Am Ende des Baumstumpfs ist der Eingang zu einem zarten Häuschen. Hier wohnt ihr also, liebe Feen. Hm. Die Tür ist zu. Vielleicht wollt ihr Mittags eure Ruhe.

Halt, moment, wo ist denn meine Gruppe? Alle schon weg? Nicht, dass ich unbemerkt im Feenland verschwinde und nicht mehr zurück finde, wie manche Märchen erzählen. Kaum habe ich ein wenig aufgeholt, sehe ich etwas an einem anderen Baumstamm golden aufblitzen. Ist doch noch eine Fee unterwegs? Da ist nichts. Doch, hier! Goldene Fussspuren von ihrem Tanz am Baumstamm. Ich berühre das Gold und zerreibe es zwischen meinen Fingerspitzen. Ja, so müssen Feenfüsse riechen: Zauberhaft eukalyptisch.

Schnell stecke ich mir ein Stückchen harziges Gold in meine Hosentasche. Wieder bei meiner Gruppe angekommen, kann ich mich kaum noch auf die vielen Informationen über Pflanzen konzentrieren. Stattdessen schaue ich auf meine Turnschuhe und seufze. Ach, Feenfüsse müsste man haben!

2 Kommentare zu “Auf den Spuren von Feen und Heilpflanzen in San Francisco

  1. wow, war bestimmt ein mega lehrreicher Ausflug. Mit deinem Bericht durfte ich ein wenig mit spazieren, vielen Dank für die wunderschön, vielen Eindrücke!!! Die Natur ist einfach zauberhaft
    Liebe Grüsse
    Esti

    Gefällt 1 Person

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