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Wie werde ich Selbstversorger in kleinen Schritten

Kräuterwanderung in Berkeley oder wie die Natur zur Uni wird

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Berkeley ist bekannt für seine legendäre Universität, die University of California. Aber wer denkt schon daran, dass dieses Stadtgebiet an der San Francisco Bay einst nicht den Intellektuellen, den Hippies oder den High-Tech-Unternehmern gehörte. Hier lebten die Ohlone, ein Stamm amerikanischer Ureinwohner, der sich nicht einmal in die Erinnerung von Western-Fans oder New-Age-Anhängern einschleichen konnte. Unsere kleine Gruppe von Heilpflanzen-Freunden denkt heute an diese vergessenen Menschen und ihre Universität: die Natur. Wir wandern, nein kriechen, von Schierling und Weide zu Lattich und Spitzwegerich, von Heilziest und Brennessel zur Knotigen Braunwurz und dem Krausen Ampfer. Wir wollen lernen, wie diese und andere Pflanzen uns Menschen helfen können.

Die Frühlingssonne strahlt über Berkeleys Natur-Uni, den Tilden Regional Park. Die ersten Kräuter strecken ihr saftiges Grün im Februar zaghaft aus der Erde. Unsere Gruppe schart sich um Katie, die ihr Heilkräuterwissen und ihre Liebe zu den grünen Gefährten mit uns teilt.

Als erstes begegnen wir den jungen Trieben des Gefleckten Schierlings (lat. Conium maculatum, engl. Poison Hemlock), die noch von den trockenen Stängelresten des letzten Jahres umgeben sind. Die sehr giftige Pflanze ist leicht mit anderen Doldenblütlern wie Engelwurz und Wiesen-Kerbel zu verwechseln, hat aber meist erkennbare rote Flecken an der Basis.

Der Gefleckte Schierling enthält das Alkaloid Coniin, das eine Lähmung von den Füßen aufwärts bewirkt und zum Atemstillstand führt. In der Antike war der sogenannte Schierlingsbecher aus dem Saft des Schierlings ein bekanntes Tötungsmittel, das auch der Philosoph Sokrates nach seiner Verurteilung wegen Gottlosigkeit einnahm.

Wir treffen die Schmetterlings-Tramete (lat. Trametes versicolor, engl. Turkey Tail) und staunen über die Heilkraft, die in diesen zierlichen Baumpilzchen steckt. In China und Japan recht bekannt und wissenschaftlich untersucht, bei uns in Deutschland fast vergessen: Die immunstimulierende Wirkung der Schmetterlings-Tramete (mehr zu Pilzen gibt es hier). Sogar Tumoren und Krebszellen kann der kleine Pilz zu Leibe rücken.

Eine vorsorgliche Unterstützung des Immunsystems kann nicht schaden und so nehmen wir uns mal vor: Ab mit der nächsten Schmetterlings-Tramete in den Suppentopf, mitkochen und vor dem Verzehr wieder herausnehmen, oder eine Tinktur mit Alkohol ansetzen (mehr zu Tinkturen etc. hier).

Der treue Spitzwegerich (lat. Plantago major, engl. Plantain) wächst am Wegesrand. Oft hat er uns schon bei Mückenstichen geholfen (mehr zur Salbenherstelllung hier). Nun lernen wir, dass die Spitzwegerich Samen ein guter Ballaststoff für den Magen sind und bei Durchfall oder anderen Magen-Darm-Problemen helfen können. Und weiter gehts auf unserer Kräuterwanderung.

Uns fällt eine Lattichart (lat. Lactuca, engl. Wild lettuce) ins Auge, der Vorfahre unseres Kopfsalats. Bricht man ein Lattichblatt ab, strömt weißer Saft heraus. Er soll krampflösende und entzündungshemmende Wirkung haben, insbesondere bei Husten und Problemen der Harnwege.

Das Kletten-Labkraut (lat. Galium aparine, engl. Cleavers) fasziniert uns mit seiner im Frühjahr noch zierlichen Erscheinung und trotzdem schon beachtlichen klettenhaftigkeit. Es bleibt blitzschnell an der Kleidung kleben.

Die Blätter und Stängel des Kletten-Labkrauts kann man im Mixer zu Saft verarbeiten und dann in Eiswürfel-Formen in den Gefrierschrank stellen. Das gibt Eisbonbons für das Immunsystem. Man kann es auch zu Pesto verarbeiten oder einen Essig damit ansetzen.

Der Krause Ampfer (lat. Rumex crispus, engl. Yellow Dock) hilft bei Verstopfungen, regt Gallenflüssigkeit an und unterstützt die Verdauung, reinigt das Blut und hilft bei Hautproblemen. Er ist reich an Eisen und ziemlich bitter. Wir beobachten, wie die Blätter zur Basis hin rötlich werden und die Wurzel gelb.

Der Heil-Ziest (lat. Stachys officinalis, engl. Hedgenettle) ist leider noch nicht in Blüte zu sehen, aber seine weichen Blätter verraten schon, was für eine tolle Heilpflanze er ist. Er kann manche Kopfschmerzen stillen und ist krampflösend.

Ein paar Schritte weiter wächst die Knotige Braunwurz (lat. Scrophularia nodose, engl. Figwort). Sie wird meist für Hautprobleme verwendet und ist entzündungshemmend, insbesondere wenn das Lymphsystem aus der Balance geraten ist. Die Blätter ähneln dem Heil-Ziest, sind aber nicht so weich, etwas spitzer zulaufend und riechen ganz anders.

Es ist schön, zu spüren und dabei zu sein, wie die Natur nach einem regenreichen Winter wieder erwacht, ihre grünen Glieder streckt und die ersten Weidenblüten schickt. Sonnengetränkt, mit wachen Sinnen und leichter Stimmung machen wir uns auf den Rückweg. Einiges Kräuterwissen werden wir morgen schon wieder vergessen haben. Und doch bleibt der tiefe Eindruck, dass die Natur für jedes Problem ein Kraut parat hat, sich selbst in dicht besiedelten Gebieten nicht unterkriegen lässt und (Lern-) Stoff für tausende Semester bietet.

2 Kommentare zu “Kräuterwanderung in Berkeley oder wie die Natur zur Uni wird

  1. Hallo! Ich freue mich immer über deine Blogbeiträge! Sie sind immer sehr informativ und liebevoll geschrieben. Toll, dass in Berkeley die gleichen Heilkräuter zu finden sind wie bei uns in Europa. Du hast einen schönen Eindruck vermittelt! Danke

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