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Wie werde ich Selbstversorger in kleinen Schritten

Das Gewächshaus für Selbstversorger

10 Kommentare

Kaum haben sich die Winterwolken verzogen und die Sonne schenkt uns ihr erstes Frühlingslächeln, da stehen sie auch schon in der Gärtnerei:  Die handhohen, zarten Junggemüsepflanzen und Kräuterkinder. Wie machen die das nur, die Profis? So früh im Jahr trauen wir uns noch nicht einmal ans Aussäen zu denken. Ein Gewächshaus muss her! Es ist weit mehr als der Traum eines jeden Hobbygärtners oder Zitrus-Liebhabers. Es ist ein warmes Kuschelhaus für die grünen Lieblinge des Selbstversorger-Anfängers. Nur, wie baut man so etwas?

Das Gewächshaus unserer Träume ist aus Glas, steht auf einem kleinen Mäuerchen, hat einen weißen Stahlrahmen und einen Eingangsgiebel. Es flüstert uns zu: Nehmt mich, ich bin die viktorianische Versuchung für das luxuriöse Selbstversorger-Anfänger-Leben. Ja, wir wollen schon gerne, flüstern wir zurück, nur sind deine glamourösen zehn Quadratmeter ein Elektroauto wert. Das viktorianische Gewächshaus zieht seinen Giebel hochnäsig nach oben und unsere Traumblase platzt.

Dann bauen wir uns eben ein Gewächshaus selbst, mit dem Material, was wir so finden! Wir sehen einen selbst gezimmerten Holzrahmen vor uns und darin alte Holzfenster vom Flohmarkt: Das windschiefe Hexen-Glashaus. Nein, denken wir, unser handwerkliches Geschick wird dafür nicht ausreichen. Vielleicht sollten wir uns erst einmal informieren, bevor wir weiter träumen.

Was muss man bei einem Gewächshaus beachten?

  • Es sollte nicht wesentlich kleiner als zehn Quadratmeter sein, damit eine gute Belüftung möglich ist.
  • Es sollte höher als zwei Meter sein, da sich zu niedrige Häuser schnell überhitzen.
  • Es sollte ein Spitzdach oder Runddach haben, um genügend Wärme speichern zu können. Ein Flachdach ist nicht geeignet.
  • Es sollte außer der Tür noch weitere Belüftungsmöglicheiten haben.
  • Es sollte aus stabilem Material sein und auf einem Fundament stehen, das nicht verrottet.
  • Es soll nach Süden ausgerichtet sein und auf einem sonnigen Fleckchen des Gartens stehen.

Neben diesen harten Fakten gibt es noch die Geschmacks- oder Glaubensfrage, woraus das eigentliche Gewächshaus bestehen soll: Plastikfolie, Lichtplatten aus Polycarbonat oder Glas? Je kleiner das Gewächshaus, desto weniger ist Plastikfolie geeignet. Es sammelt sich Verdunstungswasser an den Wänden und es wird feucht. Polycarbonat hat Hohlräume. Da sammelt sich mit der Zeit Dreck an. Glas ist teuer.

Wir entscheiden uns für ein zu kleines Gewächshaus mit Holzrahmen und Polycarbonat, weil es gerade im Internet-Flohmarkt für 100 Euro zu haben ist.

Was muss nur wohin? Zusammenbau für Schlaumeier

Als wir nach einer Stunde Fahrt bei unserem Gewächshaus-Verkäufer ankommen, trifft uns der Schlag. In der Anzeige haben wir das schöne Bild eines romantischen Lichthäuschens gesehen. Jetzt stehen wir vor gammeligen Einzelteilen.

Ob es tatsächlich alle Teile sind, oder ob etwas fehlt, können wir nicht überblicken. Der Verkäufer lacht, halbwegs mitfühlend, und drückt uns eine Videokassette in die Hand. Die Aufbauanleitung. Jetzt lachen wir.

Wir können uns das Alter unserer Gewächshaus-Teile nun ausrechnen. Hätten wir uns vielleicht denken können. Wir greifen das Stückchen Hoffnung in unseren Herzen und gleichzeitig die Gammelteile, laden beides ins Auto ein und zu Hause wieder aus. Wir bürsten alle Teile ab, befreien sie von Spinnenweben und Mäusedreck, spritzen sie mit Wasser ab. Wir putzen die Scheiben und imprägnieren den Holzrahmen mit Öl.

Nach zwei Tagen Putz- und Pinsel-Arbeit in bester Sommerhitze fragen wir uns: War es jemals kalt? Echt jetzt, brauchen wir ein Gewächshaus?

Da wir keinen Videorekorder (mehr) besitzen, stellt sich uns die Frage: Was tun, wenn man keine Bedienungsanleitung hat? Wo gehört welches Teil nur hin? Wir brauchen eine Selbstversorger-Schlaumeier-Strategie für Anfänger:

  • Nachdenken.
  • Teile genau anschauen: Löcher, Verfärbungen und Abnutzungen inspizieren.
  • Nach ähnlichen Gewächshäusern oder – falls bekannt – nach der Marke im Internet suchen.
  • Nochmal nachdenken.
  • Mut und Werkzeuge bereit legen.

Zu unserem Gewächshaus gehören vier Holzkunststoff-Latten als Fundament. Sie erzählen uns die Geschichte unseres Gewächshaus: Zerlegt und vernachlässigt lag es lange Zeit schutzlos in einer finsteren Gartenecke. Bis die Latten des Fundaments vor Trauer die Form eines Torbogens angenommen haben. Das müssen wir wieder gerade biegen und mit zusätzlich angeschraubten Holzbrettern stabilisieren. Die Wasserwage zeigt uns, ob unser Fundament wirklich ebenerdig liegt. Danach geht alles ganz einfach – dank Schlaumeier-Stretegie.

Wie sieht das Innenleben eines guten Kuschelhauses aus?

Als unser Gewächshaus fertig aufgestellt ist, neigt sich die Sommersaison gerade dem Ende zu. Erst im kommenden Frühjahr erwacht unser Gewächshaus-Fieber erneut. Die Inneneinrichtung steht an. Unsere grünen Lieblinge sollen es kuschelig haben.

Wir gehen unsere Checkliste durch:

  • Der Boden sollte mit wasserdurchlässigem Unkrautvlies ausgelegt sein, um ungebetene Pflanzengäste fern zu halten.

Haben wir vergessen, aber wir haben wenigstens den Weg mit altem Karton ausgelegt.

  • Der Weg sollte breit genug sein, um gut arbeiten zu können.

Ist bei unserem Minihaus nicht wirklich möglich.

  • Der Weg bzw. aller ungenutzter Boden sollte mit Kies aufgefüllt sein, oder einem anderen Material, das Wasser gut ablaufen lässt.

Wir nehmen groben Holzmulch.

  • Das Regal für die Anzuchtschalen und Blumentöpfe sollte stabil und wasserfest sein.

Werden wir sehen.

  • Die Beete im Gewächshaus sollten tief genug umgegraben und mit einem Hühnerdraht gegen unterirdisch-tierische Diebe geschützt sein.

Haben wir gemacht.

  • Ein kleiner Teich im Gewächshaus verbessert das Raumklima und liefert angenehm warmes Wasser für empfindliche Pflanzen-Winzlige.

Schön wärs. Zu klein.

 Wenn die grünen Lieblinge einziehen…

…dann ist die schönste Zeit im Gewächshaus. Draussen ist es noch kalter Vorfrühling. Drinnen aber fühlt es sich schon nach richtig warmen Frühling an. Was wir anbauen wollen ist in den Anzuchtschalen und Töpfen ausgesät. Jeden Tag schauen wir gespannt nach, ob sich schon grünes Leben aus der Anzuchterde erhebt. Bohnen, Tomaten, Mais, Brokkoli – alle kommen und zaubern uns ein Lächeln aufs Gesicht. Jetzt geniessen wir diese wunderbare Kuschelhaus-Erfahrung und erinnern uns, warum wir unbedingt ein Gewächshaus wollten:

Ein Gewächshaus verlängert die Gartensaison, bietet Schutz für empfindliche Pflanzen und ermöglicht größere Kontrolle in der Anzucht.

Wenn wir jetzt in die Gärtnerei gehen und die prächtigen Junggemüsepflanzen dort sehen, zucken wir mit den Schultern. Ha! Haben wir auch! Naja. Fast.

Wie sieht euer Gewächshaus-Traum aus und welche Erfahrungen habt ihr gemacht?

10 Kommentare zu “Das Gewächshaus für Selbstversorger

  1. Oh, das ist ja wirklich toll geworden! Beneide dich darum! Wir haben dazu nicht wirklich Platz. Ich habe nur eine recht kleine Fensterbank… Da wir gerade einen Wintereinbruch haben und ich mit meinen Pflänzchen im Hochbeet um die Wette schlottere (abwarten, bis die Eisheiligen vorbei sin, kann ich einfach nicht…) suchte und fand ich auf die Schnelle einen Folientunel. Vielleicht gibt es in Zukunft als Aufsatz auf das Hochbeet zwei Frühbeete oder so; das ist das Maximale meiner Gwächshausträume.
    Wünsche euch aber viel Erfolg damit!!!!

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  2. Dankeschön! Frühbeete sind auch toll. Ich glaube das hilft schon enorm. Ich drücke die Daumen für gutes Wetter 🙂

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  3. Hallo habe über Nicole durch ihr Nominierung zu euch gefunden. Euer Gewächshaus sieht so gemütlich aus. Schade, dass man in Kleingarten Anlagen keines stellen darf. 😟
    Naja, auf dem Balkon hab ich kleines Anzuchtregal…dass schon überquillt….😆
    Schöner Blog ich werde folgen.
    Grüne Grüße aus dem Unkrautgarten
    Mion

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  4. Träume auch von einem Gewächshaus…. Träume aber noch….

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  5. Dein Text ermuntert sehr!!!

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  6. Immer wieder schön, von Dir zu hören, von Deiner steten Umtriebigkeit und dem immensen Schwung, mit dem Ihr all das angeht…
    Klasse.

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