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Wie werde ich Selbstversorger in kleinen Schritten

Die Rosencreme für Geburtsjahrverschweiger

3 Kommentare

Rosen? Nein, bitte nicht, hätte ich als Teenager noch mit schützend hochgehobenen Händen geantwortet. Ich stellte mir die rosenbedruckten Blusen älterer Damen vor und meinte sogar, ein aufdringliches Duftgemisch aus Mottenkugeln, Haarspray und Rosenwasser zu riechen. Nun, als Inhaberin zarter Mitvierziger-Fältchen und damit verbunden eines liebevolleren Blicks auf die Vorlieben älterer Damen, entdecke ich die Rosen für mich neu: als Gesichtscreme. 

Die Rose in meinem Garten ist noch klein. Auch im zweiten Jahr hat sie noch keine Blüten. Also weide ich meine Augen an den Blumen fremder Vorgärten und kaufe das Rosenöl und Rosenwassser für mein Creme-Experiment ein. Hätte ich einen großen Rosenbusch und eine Destille, könnte ich diese Zutaten selber machen: Rosenwasser (Rosen-Hydrosol) ist das „Abfallprodukt“ bei der Destillation von Rosenöl aus Rosenblättern.

Aus den Blütenblättern von dreissig Rosen ensteht ein Tropfen Rosenöl. Es braucht 4 Tonnen Rosenblätter für ein knappes halbes Kilo Rosenöl.

Zauberzutaten für die Gesichtspflege

Die Zutaten der Rosencreme sind speziell darauf abgestimmt, reifer Haut mehr Frische zu verleihen:

  • Karottenöl aus den Samen der Möhre enthält Vitamin A, das die Elastizität der Haut erhöht und sie „polstert“.
  • Vitamin C ist ein Antioxidans, das vor der schädlichen Wirkung freier Radikale schützt und damit die Hautalterung verlangsamt.
  • Glycerin hilft der Haut, Feuchtigkeit zu bewahren.
  • Nachtkerzenöl aus den Samen der Nachtkerze ist reich an Omega-6-Fettsäuren und hat hautberuhigende Wirkung.
  • Die Rose hilft, Blut-Kapillaren unter der Haut zu reparieren. Diese kleinsten Verästelungen des Blutkreislaufs versorgen die Zellen mit Sauerstoff. So entsteht auf der Haut ein frischerer Teint und Fältchen werden reduziert.

Dabei habe ich gar nichts gegen Falten. Sie zeigen, dass man schon eine Weile lebt und vor allem, wie man gelebt hat. Die Rosencreme soll meine Lebenszeichnungen im Gesicht nicht verschwinden lassen, sondern meiner mittelalten Haut gerecht werden – und im Gegenteil: Sie soll die Basis für neue, immer schönere und aussagekräftige Falten legen.

Ich wünsche mir, dass man in meinen Falten eines Tages sieht, was mir im Leben wichtig ist und wer ich bin. Ich will diese Entwicklung nicht bekämpfen, sondern feiern.

Das Rosencreme-Rezept

Bisher habe ich einige wunderbare Cremes ausprobiert, die Kamillen- und Ringelblumencreme und die Holunderblütencreme, ohne Emulgatoren zu verwenden. Diese verbinden öl- und wasserhaltige Zutaten miteinander, verbessern die Konsistenz und verhindern einen Glanzfilm auf der Haut. Wer keine Emulgatoren verwenden mag, darf sich bei der Rosencreme auf langwieriges und exzessives Schlagen mit Schneebesen oder elektrischem Rührgerät einstellen.

Hier ist das Rezept für 1/2 Tasse Creme aus einem Buch der britischen Kräuter-Expertin Pip Waller:

  • 1/2 Teelöffel Bienenwachs
  • 1 Teelöffel Emulgator
  • 2 Esslöffel Mango- oder Shea Butter
  • 1 Esslöffel Karottenöl
  • 1 Esslöffel Nachtkerzenöl
  • 1/2 Teelöffel Vitamin C Pulver
  • 1/2 Teelöffel Glycerin
  • 5 Esslöffel Rosenwasser
  • 10 Tropfen Ätherisches Rosenöl (oder günstiger: Geranium)

Das Rezept soll zwei bis drei Monate haltbar sein. Also verdopple ich die Zutaten. Dann geht es los: Zuerst den ölhaltigen Teil aus Bienenwachs, Mango- oder Shea-Butter, Emulgator, Karottenöl und Nachtkerzenöl im Wasserbad erwärmen. Wenn alles geschmolzen ist, langsam das Vitamin C Pulver und das Glycerin hinzu geben. Gut mit dem Schneebesen rühren.

Das Rosenwasser auf gleiche Temperatur erwärmen und dann mit dem ölhaltigen Teil vermischen. Sobald die Creme auch nach Creme aussieht und etwas abgekühlt ist kommen die Tropfen von Rosenöl hinzu. Fertig. Soweit die Therie.

In der Praxis verwechsle ich Teelöffel mit Esslöffel, vermische das Glycerin mit dem Rosenwasser anstatt dem ölhaltigen Teil, rühre mich verrückt. Als ich gerade aufgeben will, meiner unpräzisen Mischpraxis und meinem fehlenden Küchentalent die Schuld am Misserfolg gebe, verdickt sich mein Gemisch doch noch zu einer cremeartigen Substanz.

Der Handmixer mit doppeltem Quirl hat mich gerettet – nachdem Schneebesen, Stabmixer und Handmixer mit einfachem Quirl versagt haben. Erleichtert stelle ich mein Erfolgsprodukt in den Kühlschrank und warte bis zum Abend für die erste Anwendung.

Aus der Rosencreme ist eine Rosensahne geworden. Fluffig und nach herbem Pfeiffentabak riechend (Geraniumöl!) zerschmilzt sie auf der Haut. Sie glänzt kaum. Sie fühlt sich unsagbar gut an.

Nach kurzer Zeit ist das erste Döschen schon leer und ich bin froh noch etwas Vorrat zu haben. Ob ich mit dem Geraniumöl nun für Teenager schon nach älterer Dame rieche? Ein Haarband mit aufgedruckten Rosen habe ich für alle Fälle schon mal besorgt.

Emulgatoren und andere Zutaten kann man bei spinnrad.de oder dragonspice.de bestellen.

Das Rezept für die Rosencreme („Antiaging Day Cream“) stammt aus dem wunderbaren Selbstversorger-Buch von Pip Waller: „The Herbal Handbook for Home and Health. 501 Recipes for Healthy Living, Green Cleaning & Natural Beauty“. Die englische Kräuter-Spezialistin Teri Evans hat das Rezept erfunden.

3 Kommentare zu “Die Rosencreme für Geburtsjahrverschweiger

  1. Liebe Kirsten,
    Du hast eine einzigartige Gabe zu schreiben! Deine Beiträge sind einzigartig gut. Bitte, schreibe, wenn es für Dich richtig ist, ein Buch über die Natur und alles das, was Du darüber denkst. Ganz selten habe ich jemanden mit diesem Schreibstil erlebt, und ich bin selbst Germanistin M. A.. Wir kennen uns und wir kennen uns nicht; von mir hast Du nur entfernt gehört.
    Herzliche Grüße von Andrea Winnewisser (Auch ich bin auf einem spirituellen Weg und fühle eine beginnende Freundschaft zu Dir, obwohl wir uns fremd sind. Aber Du kennst den Menschen gut, den ich liebe.)

    Gefällt 1 Person

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