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Wie werde ich Selbstversorger in kleinen Schritten

Beinwell – Die Wurzel für Haut und Knochen

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Als wir den Spaten ansetzen, um den Schatz des Beinwell zu heben, sind wir  zuversichtlich. Diesen Wurzelschatz haben wir ganz schnell in der Tasche! Nach einigen Spatenstichen, noch mehr Gerüttel und Händeringen wird uns klar: Die Wurzel des Beinwell ist ein Großkaliber an Kraft und Standhaftigkeit. Wer hätte gedacht, dass die so zarten und lieblichen Glockenblüten des Beinwell, die winzigen Elfenmädchen als rosa-blaue Sommerhüte dienen könnten, uns derart in die Irre führen würden?  Wir bewundern den Beinwell einmal mehr. Das scheint ihn gnädig zu stimmen. Er gibt seinen Schatz für unsere Kräuterapotheke frei.

Der Beinwell – auch Beinheil, Beinwurz oder Beinbrechwurz genannt – hält, was sein Name verspricht. Er flickt Knochen und macht Beine wieder heil. Die frische Wurzel wird als Breiumschlag auf (bereits wieder eingerenkte) Knochenbrüche und Verstauchungen gelegt. Auch bei Verrenkungen und Gelenk- sowie Venenentzündungen hilft der Beinwellbrei.

Doch das ist noch lange nicht alles, was der Beinwell (lat. Symphytum officinale, engl. Comfrey) kann. Bevor wir uns daran machen, eine Beinwellsalbe anzusetzen, schauen wir uns die Pflanze mit ihrem urigen Blätterwerk aus Dinosaurierzeiten, mit den ätherischen Elfenblüten und mit den schwarzen Wurzelkrallen genauer an.

Die Heilkräfte des Beinwell

Der Beinwell ist leicht zu erkennen und schwer zu verwechseln. Manchmal sieht man ihn wild am Wegesrand stehen, öfter jedoch findet man ihn in der Nähe von leidenschaftlichen Gärtnerinnen, die Beinwellblätter als Kompostmaterial oder Pflanzenjauche zur Düngung lieben.

Die (innerliche) Anwendung des Beinwell ist in Verruf geraten, da er Pyrrolizidinalkaloide enthält, die der Leber schaden und Krebs erregen können. Doch die Pflanze gilt seid Jahrtausenden als gutes Tierfutter und wunderbares Heilmittel. Wir glauben, eine normale Dosierung über einen begrenzten Zeitraum kann nicht schaden. Aber das muss jeder für sich entscheiden.

  • Mit dem Nudelholz zerquetschte Blätter helfen als Auflage bei Sehenscheidenentzündungen, Thrombosen und Blutergüssen. (Maria Treben)
  • Der Beinwurzelbreiumschlag aus den frischen Wurzeln behandelt Knochenbrüche, Arthrosegelenke und Krampfadern. (Wolf-Dieter Storl)
  • Beinwurzelblätter, über Nacht in Wasser als Kaltauszug eingeweicht, können als Badezusatz bei Gicht, rheumatischen Beschwerden und Knochenschmerzen verwendet werden. (Maria Treben)
  • Die Tinktur oder eine starke Teeabkochung (Sud) der Beinwellwurzel unterstützt die Heilung von Magen- und Darmgeschwüren. (David Hoffmann)
  • Ein Tee aus den Blüten hilft bei Bronchitis und Katarrh. (Wolf-Dieter Storl)
  • Der Beinwell beschleunigt die Wundheilung und Narbenbildung bei oberflächlichen Wunden. Aber Achtung bei tieferen Wunden: Hier kann der Beinwell eine obere Hautbildung bewirken während die Wunde darunter noch nicht verheilt ist, wodurch ein Abszess entstehen kann. (David Hoffmann)

Wir machen uns an die Arbeit. Wir hängen die oberen Pflanzenteile des Beinwell zum Trocknen im Schlafzimmer auf. Was übrig bleibt wird auf dem Bettuch getrocknet, das wir im Wohnzimmer über die Couch gespannt haben. Die Wurzeln sind gewaschen und klein geschnitten. Die Verarbeitung kann los gehen.

Beinwellsalbe, Beinwellöl und Beinwelltinktur

Unser erster Versuch, Beinwellöl zu machen, scheitert. Die Pflanze enhält viele Schleimstoffe und das Öl wird bei Verwendung von frischen Pflanzenteilen leicht ranzig. Also starten wir den zweiten Versuch mit getrocknetem Material.

Als Ergänzung für unsere Lieblings-Gesichtscremes (Kamillencreme und Rosencreme) setzen wir ein Beinwellöl an. Es macht die Haut geschmeidig. Einfach für die Hälfte des Ölanteils einer Creme das Beinwellöl verwenden.

  • Getrocknete Beinwellblätter in Olivenöl (oder Aprikosenkernöl o.ä.) in einem Schraubglas einlegen und für zwei bis vier Wochen in der Sonne ziehen lassen. Alternativ geht auch ein Schongarer, wenn keine Sonne scheint. Blätter abseihen und Öl verwenden.

Für schnelle Umschläge bei Knochen- und Gelenksproblemen sowie bei Gelegenheit zur inneren Einnahme machen wir eine Beinwelltinktur.

  • Kleine, getrocknete Wurzelstückchen für zwei bis vier Wochen im Dunkeln in Alkohol (40 – 60%) einlegen. Abseihen und Tinktur verwenden, indem man Tropfen auf eine Bandage gibt und auf betroffene Stellen auflegt.

Für oberflächliche Wunden, Kratzer und rissige Hände machen Wir eine Beinwellsalbe. Da wir schon einmal die Spitzwegerich-Salbe gemacht haben, sind wir schon kleine Profis im nicht wirklich schweren Salbengeschäft.

  • Getrocknete Beinwellwurzel (oder getrocknete Beinwellblätter) in Olivenöl geben und in einem Oma-Doppel-Topf (Wasserbad) eine Stunde leicht erhitzen ohne zu köcheln. Abseihen, das reine Öl erneut in den Doppel-Topf geben und Bienenwachs beimischen. Auf eine Tasse Öl kommt 1/4 Tasse Wachs. Wenn alles zerschmolzen ist in Behälter abfüllen und erkalten lassen.

Der Beinwellschatz, den wir für unser Selbstversorger-Salbenabenteuer ausgegraben hatten, hat mittlerweile ein neues Zuhause gefunden. Der Wurzelstock ist mit dem Spaten leicht in drei Abschnitte teilbar. Der Beinwell nimmt einem nichts wirklich übel, kann wieder eingepflanzt werden und erholt sich schnell von der Prozedur. So haben wir nicht nur aus den abfallenden Wurzelresten unsere Salbe gemacht, sondern auch unsere Apfelbäume mit neuen, bodenverbessernden Wurzelgefährten bestückt.

Der Beinwell lockert den Boden auf und ist ein guter Kumpel für Obstgehölze oder kränkelnde Pflanzenexemplare. Außerdem bringen mehr Beinwellpflanzen auch mehr Blätter für die Hausapotheke und den Kompost, sowie mehr Blüten für die Bienen und Hummeln. Und natürlich mehr Sommerhüte für die Elfen!

2 Kommentare zu “Beinwell – Die Wurzel für Haut und Knochen

  1. Ich habe sehr gute Erfahrungen mit Beinwell gemacht als ich mir das Hangelenk bebrochen habe. Alle paar Tagem machte ich einen Umschlag mit den Blaettern (es war im Mai und ich wollte die Wurzeln nicht ausgraben um diese Zeit). Also ich habe die Blaetter leicht angeduenstet und sie ganz fein gehackt, gab den Brei fuer 1/2 Stunde in das Gefrierfach und dann habe ich den Brei ganz dick auch mein Hangelenk aufgetragen. Ich lies es dann dort ungefaehr eine Stunde bis es ein wenig zum Trocknen anfing. Der Beinwellbrei fuehlte sich sehr heilend an und mein Handgelenk blieb geschmeidig und ist viel schneller zusammengewachsen dank der heilenden Komponents der Pflanze.

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