traum selbstversorger

Wie werde ich Selbstversorger in kleinen Schritten

Die Geschichte

Die ersten Inspirationen für unseren Selbstversorger-Traum hatten wir 2009 in der Nähe von Bad Tölz. Endlich waren wir aufs Land gezogen und hatten der Münchner Hektik den Rücken gekehrt. Wir lernten die Jahreszeiten nach Bauernart neu kennen: Wann kommen die Kühe auf die Weide, wann wird Silage gemacht, wann Gülle gefahren, wann Holz gehackt, wann kommt die Schneckenplage?

Wir lebten auf einem Milchviehbetrieb außerhalb des Dorfes mit lieben Bauern und über vierzig Kühen, die vor unserer Haustür grasten.

Die Hofhündin hat von einem vorbeistreunenden Verehrer Welpen bekommen und einer davon ist bei uns geblieben: Tulku!

Die Bäuerin hat ihren Gemüsegarten mit uns geteilt. Wir haben das erste Mal Pferdemist mit dem Frontlader bei der Nachbarin abgeholt und in unsere Gemüsebeete mit dem Spaten eingegraben.

Die Pflanzen haben wir zunächst im Baumarkt geholt, erst nach und nach haben wir auf Bioqualität geachtet und Samen selbst großgezogen. Die ersten eigenen Bohnen, der erste selbstgepflückte Salat, ein herrlich wuchernder Tomatenwald… Es war eine wunderbare Erfahrung mit so viel Freude an der frischen Luft und mit den ersten Laufenten – Fred und Emma, für die wir einen Teich ausgehoben haben.

In vier tollen Jahren haben wir auch das ein oder andere Haar in der Landsuppe entdeckt. Ein Milchviehbetrieb hat unromantische Seiten: Künstliche Dauerbefruchtung für stetig fließende Milch, Trennung der Kälber von ihren Müttern gleich nach der Geburt, Enthornung, Überdüngung der Wiesen, Milchproduktionssteigerung durch den Bau eines Laufstalls mit Melkroboter und Ende des früher üblichen Weideauslaufs. Auch nette Bauern, die es gut mit ihren „Viechern“ meinen, glauben sich einem Markt unterwerfen zu müssen, der billige Milch will. Wir haben dieses verzwickte System an seiner Wurzel kennen gelernt und aufgehört, Milch zu trinken.

Vom Süden in den Bayerischen Osten

Im Herbst 2013 sind wir vom Süden in den Bayerischen Osten gezogen, in ein kleines Dorf bei Emmering. Ein altes Bauernhaus und herzliche Nachbarn haben dort auf uns gewartet.

Wir haben im Frühjahr den Garten schnaufend von altem Beton-Müll befreit und einen Holzzaun aufgebaut. Schnell war uns klar, dass unser 40 qm großer Gemüsegarten am Haus nicht für unsere neu entfachten Selbstversorger-Träume ausreicht.

Wir pachteten zusätzlich 115 qm „Sonnenacker“ in der Nachbargemeinde für einen ausgiebigen Kartoffel-, Kürbis- und Maisanbau. Hier beginnt auch unser Blog-Abenteuer und so gibt es alles zum nachlesen, wenn auch in sehr kurzer Form: Vom Fleckchen Erde zum Gemüsegarten

In diesem Jahr ist viel in unseren Köpfen und in der Praxis passiert, nicht zuletzt wegen der Kurse, die wir besucht haben – unter anderem die Selbstversorger-Akademie und die Hofführung beim Obergrashof.

Unsere Richtung ist sehr klar: Eigene Anzucht von strikt biologischen Samen, keine Kompromisse bei Gentechnik und Leistungszucht (Stichwort Bio-F1-Hybride), Anbau in Mischkultur und Düngung durch bodenverbessernde Pflanzen, Kompost und Mist.

Alte, vergessene Gemüsesorten haben unser Herz gewonnen, wie die Haferwurz. Wir möchten mehr lernen über alte Handwerkskünste wie Öle herstellen und Spinnen, mehr üben in Sachen Einmachen. Wer sich schon einmal um die letzte Portion selbst eingestampften Sauerkrauts „gestritten“ und sein Dörrhaus „verflucht“ hat, weiß, in welcher Welt wir leben.

Fazit nach unserem ersten Jahr ernsthafter Selbstversorger-Ambitionen: Einen Sommer lang kein Gemüse gekauft und wunderbar von der eigenen Ernte gelebt, für den Winter halbwegs vorgesorgt mit eingelagerten Kartoffeln und Kürbissen, diversen selbstgemachten Säften und einigem Eingemachten. Wir sind stolz.

Außerdem hat Tulku eine Gefährtin aus dem Tierheim bekommen: Naja!

Von Bayern nach Kalifornien

Ein Jahr nach unserem Einzug bekommt Patrick im Winter 2014 die Chance auf einen spannenden Job im Hauptsitz seiner Firma in Kalifornien, USA. Nach ein bisschen Bauchweh und Grübelei, aber auch Aufregung und Neugier, packen wir es an. Schweren Herzens verschenken wir einen Großteil unserer gelagerten Ernte und vom Eingemachten, da die Zollbestimmungen uns nicht erlauben, Nahrungsmittel einzuführen. Sogar unsere Samensammlung müssen wir in treue Hände abgeben.

Am 14. Februar 2015 steigen wir in den Flieger in ein neues Leben im Golden State. Nach einem stressigen Umzug gewöhnen wir uns schnell in unserem temporären, möblierten Zuhause, einer kleinen Farm mit Hühnern, ein. Nach sechs Wochen Bürokratiekram, Autokauf, Miet-Häusersuche und Alltags-Erkundungsabenteuern haben wir eine neue Heimat auf einer alten Ranch südlich von San Jose gefunden.

Wir fangen wieder neu an, auch im Garten – mit Recycling-Gartenvorbereitungen auf kalifornisch, mit Schreckkrähen und Liebesäpfeln in Santa Cruz. Und mit der Hoffnung, dass wir irgendwann tatsächlich echte Selbstversorger werden.

Dazu haben wir uns ein paar Gedanken gemacht: Vom Traum und Realität der Selbstversorgung.

Kirsten macht eine Ausbildung in medizinischer Kräuterkunde und hat neues gelernt über die Kamille, die Schafgarbe und die Mariendistel.

Im Oktober 2016 müssen wir erneut umziehen. Der Brunnen, der unser Haus, Tiere und Pflanzen mit Wasser versorgt, ist zu stark mit Bakterien und Nitraten belastet. Wir landen in den Santa Cruz Mountains in einer umgebauten Scheune mitten im Wald. Glück gehabt!

Kaum haben wir uns eingelebt, wird ein neuer Präsident in den USA gewählt. Das hat uns dazu inspiriert, jetzt erst recht nicht aufzugeben: Psst! Selbstversorger sind Rebellen

 

7 Kommentare zu “Die Geschichte

  1. Schöner Blog. Wir stehen gerade vor den gleichen Problemen. Seid zwei Jahren tasten wir uns auf unserem Pachtgrundstück nun an den Gemüseanbau heran. Und es wird jedes Jahr besser. Viel Glück euch beiden.

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  2. Danke Dir! Und stimmt, es wird jedes Jahr besser. Viel Glück euch auch!

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  3. Pingback: Selbst Käse machen für Schnuppernasen | traum selbstversorger

  4. Zufällig bin ich gerade über das Experiment Selbstversorgung auf deinen Blog hier gestoßen. Lustigerweise sind wir sozusagen an deinen „Ursprüngen“ aktiv, wir haben nämlich eine Solidarische Landwirtschaft in der Nähe von Tölz gegründet 🙂
    Grüße aus dem Oberland und viel Erfolg beim verwirklichen eurer Ideen! Und wenn’s interessiert: http://www.biotop-oberland.de

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    • Mensch Sebi, beim Hofgut Letten haben wir um die Ecke gewohnt! Es hat mich immer gereizt, mal zu klingeln und zu fragen, ob ich mir das Hofgut anschauen darf. Hab mich nicht getraut. Wie gerne würde ich da mitmachen! Viel Glück und Erfolg für euch! Toll!

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  5. Pingback: Als uns die Natur aus dem Alltag riss | traum selbstversorger

  6. Oh je, alles nicht so einfach bei Euch. Wir lagern im Winter auch vieles draußen. Hinter unserem Haus unter dem Terrassendach auf Tisch oder Bank. Hilfreich ist auch eine Styropur Box mit Deckel fürdraussen da kommt kein stärker Frost durch. Was das Heizen angeht haben wir eine Kachelofen (Grundofen) Etwas Holz und Brikett haben wir immer zum heizen. Draußen haben wir einen Steinbackofen (kannst du auf meinem Blog sehen) worin wir immerBrot backen können. Aber für Euch ist die Idee mit dem Dutchoven auch sehr hilfreich. Den benutzen wir ab und an auch.
    Ich finde euren Mut und das immer wieder neu anfangen sehr, sehr mutig.
    LG von Ulla

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